iPhone-Designer plädiert für physische Kontrollen in Autos

15

Sir Jony Ive, ehemaliger Chief Design Officer bei Apple und jetzt Leiter von LoveFrom, glaubt, dass Touchscreens eine schlechte Wahl für die primäre Fahrzeugsteuerung sind. Obwohl Ive maßgeblich am Design des iPhone beteiligt war, einem Gerät, das Touchscreen-Schnittstellen populär gemacht hat, argumentiert er, dass sich diese Technologie nicht gut auf den Einsatz im Automobil übertragen lässt. Sein Unternehmen arbeitet mit Ferrari an der Innenausstattung seines neuen elektrischen Luce-Modells, das neben einem Touchscreen insbesondere über physische Schalter, Wählscheiben und Knöpfe verfügt.

Das Problem mit Touchscreens in Fahrzeugen

Ive betont, dass Touchscreens erfordern, dass der Fahrer seine Aufmerksamkeit von der Straße ablenkt. Er erklärt, dass der ursprüngliche Zweck der Touch-Technologie darin bestand, eine vielseitige Schnittstelle für mobile Geräte zu schaffen, über die der Benutzer zwischen Aufgaben wechseln kann. Die Anwendung auf Autos birgt jedoch unnötige Risiken.

„Ich hätte in einem Auto niemals Touch-Funktionen [für die Hauptsteuerung] verwendet. Das wäre etwas, woran ich nie gedacht hätte, weil man dafür [von der Straße wegschauen] muss.“

Diese Stimmung markiert einen bedeutenden Wandel in den Trends im Automobildesign. Im letzten Jahrzehnt haben sich Autohersteller, darunter Tesla, Ford und zahlreiche chinesische Marken, für minimalistische Innenräume entschieden, die von großen Touchscreens dominiert werden. Einige haben sogar vollständig auf physische Tasten verzichtet und Funktionen wie Gangwahl und Klimaregelung auf den Bildschirm verlagert.

Mode vs. Funktionalität

Ive führt den Aufstieg von Touchscreen-lastigen Autoinnenräumen auf Modetrends und nicht auf praktisches Design zurück. Unternehmen waren auf der Suche nach der „neuesten“ Technologie, was zu immer größeren und dominanteren Bildschirmen führte. Der Trend ist so weit verbreitet, dass sogar etablierte Marken wie Mazda große Touchscreens für traditionell physische Funktionen eingeführt haben.

Eine Rückkehr zu physischen Kontrollen?

Ferraris Luce ist ein Gegenbeispiel, bei dem taktiles Feedback und intuitive Bedienung im Vordergrund stehen. Der Innenraum ist mit deutlich unterschiedlichen physischen Schaltern ausgestattet, um die Ablenkung des Fahrers zu minimieren.

Auch andere Hersteller überdenken diesen Ansatz. Audis Concept C 2025 präsentiert „schüchterne Technik“, darunter einen faltbaren Infotainment-Bildschirm, und führt in einigen Fahrzeugen wieder physische Schalter ein. Dies deutet auf einen breiteren Trend in der Branche hin, Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit Vorrang vor der wahrgenommenen Modernität von All-Touch-Schnittstellen zu geben.

Letztlich dreht sich die Debatte darum, ob Bildschirme dazu dienen, das Fahrerlebnis zu optimieren oder es unnötig zu verkomplizieren. Die Rückkehr einiger Autohersteller zu physischen Bedienelementen deutet darauf hin, dass Funktionalität und Aufmerksamkeit des Fahrers den ästhetischen Reiz minimalistischer, von Bildschirmen dominierter Innenräume überwiegen könnten.