Bentley hat in Bezug auf seine Elektrifizierungs-Roadmap einen bedeutenden strategischen Wandel vollzogen. Anstatt sich auf eine vollelektrische Produktpalette zu stürzen, hat der Luxushersteller beschlossen, der Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeug-Technologie (PHEV) Vorrang einzuräumen. Das Herzstück dieser neuen Ausrichtung wird der Bentayga der nächsten Generation sein, dessen Markteinführung für 2028 geplant ist.
Eine strategische Kehrtwende
Ursprünglich plante Bentley, bis 2030 fünf neue Elektrofahrzeuge (EVs) auf den Markt zu bringen, wobei ein vollelektrischer Bentayga als Eckpfeiler dieses Übergangs dienen sollte. Diese Pläne wurden jedoch verworfen.
Diese Wende ist größtenteils auf umfassendere Veränderungen innerhalb des Volkswagen-Konzerns zurückzuführen. Konkret hat Porsche die Entwicklung seiner fortschrittlichen Elektroplattform verzögert, ein Schritt, der auf einen sich abkühlenden globalen Markt für Premium-Elektrofahrzeuge zurückzuführen ist. Da Bentleys zukünftige EV-Roadmap an diese Architektur gebunden war, erzwang die Verzögerung eine komplette Neufassung des Produktzyklus der Marke.
Die Brücke bis 2035
Die Führung von Bentley unter der Leitung von Frank-Steffen Walliser betrachtet PHEVs als die wesentliche „Brücken“-Technologie. Diese Strategie befasst sich mit zwei entscheidenden Faktoren:
1. Regulierungsfristen: Die Gesetzgebung im Vereinigten Königreich und in weiten Teilen der EU zielt darauf ab, den Verkauf neuer Verbrennungsmotoren bis 2035 einzustellen.
2. Verbrauchernachfrage: Der Markt für High-End-Elektrofahrzeuge hat noch nicht den Reifegrad oder die breite Akzeptanz erreicht, die für einen vollständigen Ersatz traditioneller Motoren erforderlich wäre.
Durch die Konzentration auf Hybridfahrzeuge kann Bentley die strengeren Abgasnormen einhalten und gleichzeitig eine „sehr treue Fangemeinde“ bedienen, die weiterhin zögert, von der Leistung und dem Klang von Verbrennungsmotoren abzuweichen.
Technische Details: Der neue Bentayga
Der Bentayga der nächsten Generation wird sich von der bisher geplanten Porsche-„Sport“-Plattform entfernen. Stattdessen wird es die Premium Platform Combustion (PPC) nutzen, die gleiche Architektur, die auch für den neuen Porsche Cayenne und den kommenden Audi Q9 verwendet wird.
Diese Verschiebung bietet mehrere entscheidende Vorteile für das Modell 2028:
– Vielseitigkeit des Motors: Die PPC-Plattform ist für die Aufnahme leistungsstarker Sechs- und Achtzylinder-Benzinmotoren ausgelegt.
– Verbesserte Hybridleistung: Während aktuelle Bentayga-PHEVs eine rein elektrische Reichweite von rund 30 Meilen bieten, wird die neue Generation über fortschrittliche Batterien und Elektronik verfügen, um diese Reichweite deutlich zu vergrößern.
– Marktstabilität: Da der Bentayga derzeit etwa 50 % des Gesamtumsatzes von Bentley ausmacht, ist es für die finanzielle Gesundheit der Marke von entscheidender Bedeutung, sicherzustellen, dass seine Weiterentwicklung den bestehenden Kundenpräferenzen entspricht.
Was bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge bei Bentley vor uns liegt
Trotz dieser Hinwendung zu Hybridfahrzeugen gibt Bentley die Elektrifizierung nicht vollständig auf. Die Marke wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres ihr erstes reines Elektromodell vorstellen, das als „Luxury Urban EV“ bezeichnet wird. Nach diesem Debüt rechnet die Marke jedoch erst nach 2030 mit der Markteinführung eines weiteren reinen Elektrofahrzeugs.
„Wir müssen die Menschen nicht zwingen, von einem Verbrenner- oder Plug-in-Hybridauto auf ein Elektroauto umzusteigen, wenn die Käufernachfrage noch nicht da ist.“ — Frank-Steffen Walliser, Bentley-Geschäftsführer
Fazit
Bentley entscheidet sich für Pragmatismus statt für eine schnelle Elektrifizierung und nutzt die Hybridtechnologie, um die aktuellen Anforderungen der Luxuskonsumenten zu erfüllen und sich gleichzeitig in einer sich verändernden Regulierungslandschaft zurechtzufinden. Diese Strategie stellt sicher, dass das profitabelste Modell der Marke, der Bentayga, während des langen Übergangs in eine vollelektrische Zukunft relevant bleibt.
