Die Preise für Neuwagen sind seit der Pandemie in die Höhe geschossen, sodass millionenschwere Fahrzeuge vom Markt verdrängt wurden. Francois Provost, CEO der Renault-Gruppe, glaubt, dass dieser Trend die Branche jährlich 3 Millionen Verkäufe kostet, da sich die Menschen neue Fahrzeuge einfach nicht mehr leisten können. Seine Lösung? Ein radikaler zweigleisiger Ansatz, der sowohl auf die Produktionskosten als auch auf europäische Vorschriften abzielt.
Provost argumentiert, dass Renault die Entwicklungszeiten für neue Autos verkürzen muss – eine Herausforderung, die derzeit von flinken chinesischen Herstellern dominiert wird –, um preislich effektiv mit asiatischen Konkurrenten konkurrieren zu können. Das Ziel: eine beeindruckende Reduzierung der Entwicklungskosten um 40 % durch schnellere Entwicklungsprozesse und eine Überarbeitung der Art und Weise, wie Autos entworfen und gebaut werden. Das ist nicht nur Gerede; Das kürzlich eingeführte elektrische Stadtauto Twingo ist ein Beispiel für diesen Wandel. Mit einem Preis von unter 20.000 Euro (21.500 US-Dollar), einer Reichweite von mehr als 163 Meilen und eleganten Designmerkmalen unterstreicht der Twingo das Engagement von Renault, wertorientierte Fahrzeuge anzubieten.
„Das Problem des europäischen Marktes besteht darin, dass die heutigen Preise zu hoch sind“, erklärte Provost und betonte, dass dies ein entscheidendes Problem für die Branche sei. Er glaubt, dass die derzeit hohen Preise die Nachfrage dämpfen und dazu führen, dass die Verbraucher bei älteren, weniger sicheren und weniger umweltfreundlichen Autos sitzen bleiben, was letztlich sowohl der individuellen Kaufkraft als auch dem gesamten Automobil-Ökosystem schadet.
Die „China Speed“-Strategie von Renault ist der Schlüssel zum Erreichen dieser aggressiven Kostensenkungen. Das Unternehmen hat in Shanghai ein eigenes Entwicklungszentrum eingerichtet, in dem lokale Ingenieure beschäftigt und Entscheidungsprozesse optimiert werden – Praktiken, die nun in seinem Technocentre-Hauptsitz in der Nähe von Paris umgesetzt werden sollen. Durch die Umsetzung dieses schnellen Ansatzes in seiner gesamten Modellpalette möchte Renault mit dem unerbittlichen Innovationszyklus der chinesischen Automobilhersteller Schritt halten.
Aber es geht nicht nur um interne Umstrukturierungen. Provost plädiert auch dafür, dass der europäische Gesetzgeber Maßnahmen ergreift. Er fordert ein Moratorium für neue Automobilvorschriften für mindestens 15 Monate, um den Herstellern Handlungsspielraum zu geben. Er argumentiert, dass diese Vorschriften, die bis 2030 voraussichtlich weitere 107 Regeln hinzufügen werden, erheblich zu den Entwicklungskosten beitragen und letztendlich die Verbraucher mit höheren Preisen belasten.
Provost ist der Ansicht, dass der Schwerpunkt auf der schrittweisen Anwendung neuer Richtlinien auf zukünftige Modelle liegen sollte und nicht rückwirkend auf bestehende Modelle, eine in Europa einzigartige Praxis. Er weist auch darauf hin, dass die bevorstehenden CO2-Emissionsziele für 2030 besonders unrealistisch seien, und plädiert für Flexibilität über einen Zeitraum von fünf Jahren anstelle einer plötzlichen und dramatischen Senkung der Emissionsgrenzwerte um ein Jahr.
Der ehrgeizige Plan von Renault basiert auf dieser Doppelstrategie – sowohl interner Transformation als auch Neubewertung der Vorschriften –, um neue Autos zugänglicher zu machen und die europäischen Automobilhersteller gegenüber den aufstrebenden chinesischen Herausforderern wettbewerbsfähig zu halten. Nur die Zeit wird zeigen, ob sich diese Strategien bei der Umgestaltung der Automobillandschaft als erfolgreich erweisen werden.
